Das Bild des kiffenden Promis hat sich längst etabliert und was früher für Klatsch in der Unterhaltungsbranche sorgte, ist heute Bestandteil öffentlicher Selbstinszenierung. Während Cannabis für viele nach wie vor ein Reizwort bleibt, haben sich zahlreiche Berühmtheiten längst mit grüner Fahne positioniert.
Einige von ihnen so offensiv, dass man sich fragt, ob sie überhaupt noch nüchtern auf die Bühne gehen. Andere wiederum lassen ihre Vergangenheit aufleben, wenn sie beiläufig erwähnen, früher mal ein paar Züge genommen zu haben. Natürlich nur rein aus Neugier. Was dabei auffällt ist, dass die Liste der bekennenden Kiffer sich wie ein VIP-Gästebuch liest und sie zeigt, wie eng Gras, Ruhm und Selbstvermarktung miteinander verflochten sind.
Wenn Stars vom Rausch erzählen – Promis und ihre Offenheit beim Thema Cannabis
Manche bauen ihr gesamtes Image darauf auf, andere erwähnen es so beiläufig wie einen Urlaub auf Ibiza. Der Cannabiskonsum unter Prominenten kennt viele Gesichter. Snoop Dogg zum Beispiel ist nicht nur musikalisch eine feste Größe, sondern nutzt auch gerne Pape, Aktivkohlefilter und das grüne Heilmittel, um sich zu entspannen. So macht ihm in Sachen Weed-Kultur niemand etwas vor. Bei ihm wirkt es fast, als wäre der Joint festgewachsen. Der Rapper hat aus seinem Dauerkonsum eine Marke gemacht, denn die eigene Cannabismarke gehört genauso zu ihm wie Sonnenbrille und Mikrofon.
Lady Gaga bringt eine andere Perspektive ins Spiel. Nach einem Hüftbruch sprach sie offen über ihren starken Konsum. Nicht zur Selbstinszenierung, vielmehr zur Schmerzlinderung. Für sie war Gras kein Lifestyle-Accessoire, sondern ein Mittel zur Bewältigung von Schmerzen und Tourstress. Rihanna wiederum nutzt beides, Wirkung und Wirkung auf andere. Sie posiert mit Joints, lässt grüne Nebelschwaden über ihre Musikvideos wabern und signalisiert damit ganz klar, auf welcher Seite sie steht.
Auch Schauspieler wie Seth Rogen gehen mit dem Thema so selbstverständlich um, als handle es sich um Zahnpasta. Für ihn ist Kiffen Teil des kreativen Prozesses. Entspannend, inspirierend, irgendwie alltäglich und weil das bei Rogen so normal klingt, hat er direkt eine eigene Marke gegründet. Das wirkt nicht wie Imagepflege, sondern wie authentischer Lebensstil. Selbst Miley Cyrus, einst Disney-Star mit großem Sauberfrau-Image, erklärte mit einem Augenzwinkern, dass sie das Kiffen eine Zeit lang leidenschaftlich betrieben habe, später zog sie sich wieder zurück, zumindest zeitweise.
So unterschiedlich die Persönlichkeiten auch sein mögen, sie alle machen deutlich, wie sehr sich der öffentliche Umgang mit Cannabis gewandelt hat. Was früher als Karrierekiller galt, ist heute Bestandteil des Images. Mal provokant, mal pragmatisch.
Imagepflege und Rebellion – warum Prominente zu Cannabis greifen
Die Beweggründe sind vielfältig und selten nur oberflächlich. Cannabis ist bei weitem nicht nur ein Symbol für Rebellion. Für viele ist es ein Werkzeug im Alltag. Melissa Etheridge etwa griff während ihrer Brustkrebsbehandlung zur Pflanze. Nicht aus Protest, vielmehr wegen der Nebenwirkungen der Chemotherapie. Auch Morgan Freeman nutzt Cannabis nicht als Provokation, für ihn bedeutet es Therapie. Seine Fibromyalgie-Schmerzen lindert er mit Hilfe von Gras und das ganz öffentlich.
Doch natürlich geht es nicht immer um Krankheit oder Leid. In kreativen Branchen wird Cannabis oft als Inspirationsquelle gehandelt. Einige Künstler berichten, dass ihnen der Konsum helfe, Ideen freier fließen zu lassen oder sich in emotionale Rollen besser hineinzufühlen. Der berühmte Tunnelblick, den manche Menschen im Alltag fürchten, wird hier zum kreativen Kanal.
Außerdem gibt es jene, bei denen der Joint ganz klar zum Image gehört. Wer bewusst provoziert, nutzt Cannabis gern als Requisit. In der Rap-Szene ist das längst Teil des Programms, aber auch junge Schauspielerinnen oder Influencer greifen zum Joint als Symbol der Abgrenzung von braven Rollenbildern. Gras steht hier für Eigenständigkeit, irgendwo zwischen Attitüde und echtem Lebensstil.
In vielen Fällen lässt sich auch ein feines Gespür für Selbstvermarktung erkennen. Cannabis wird nicht nur konsumiert, es wird ausgestellt. Auf roten Teppichen, in Instagram-Storys oder Songtexten. Zwischen Lifestyle, Statement und Marketing verläuft oft nur ein schmaler Grat.
Auch im Anzug wird gekifft – Politiker und ihre Vergangenheit mit Cannabis
Nicht nur Popstars haben Gras auf dem Kerbholz, auch politische Schwergewichte bekennen sich gelegentlich dazu, wenn auch meist rückblickend und mit vorsichtiger Wortwahl. Barack Obama etwa erwähnte in seiner Biografie, dass er in seiner Jugend regelmäßig gekifft habe. Der Name seiner Clique damals war Choom Gang, was eher nach West Coast Mixtape klingt als nach späterem US-Präsidenten.
Justin Trudeau, Kanadas Premierminister, sagte sogar, dass er Marihuana probiert habe, nachdem er bereits Abgeordneter war. In seiner liberalen Heimat sorgte das kaum für Stirnrunzeln. Ganz anders die Strategie von Boris Johnson. Er gestand zwar einen Konsum in der Jugend ein, formulierte das aber so ironisch und ausweichend, dass niemand genau wusste, ob es sich um ein echtes Geständnis oder bloß britischen Humor handelte.
Und dann wäre da noch Bill Clinton. Der wohl berühmteste Satz zur Verteidigung eines kiffenden Politikers stammt von ihm. Ich habe geraucht, aber nicht inhaliert. Eine Formulierung, die mehr sagt als viele Schweigeminuten.
Von Dauerbrennern und Sinneswandel
So stabil wie der Ruf vieler Berühmtheiten scheint der Cannabis-Konsum nicht zu sein. Einige verabschieden sich davon, wenn sich ihr Leben ändert, sei es durch neue berufliche Ambitionen, gesundheitliche Gründe oder Familienzuwachs. Miley Cyrus etwa legte eine Kiffpause ein, um sich besser konzentrieren zu können. Mark Wahlberg, heute bekannt für Fitnessdisziplin und Rollen mit klarer Kante, sprach offen über seine Jugend als Kiffer und den bewussten Ausstieg aus dieser Phase.
Gleichzeitig gibt es Promis, die erst spät im Leben zum Joint greifen oder ihren Konsum bewusst ausbauen. Mike Tyson etwa hat nicht nur eine eigene Cannabis-Firma gegründet. Er sprach auch offen darüber, wie sehr ihm Cannabis in seinem neuen Leben helfe. Vom Boxring zum Blütenblatt ist ein Imagewechsel mit Symbolkraft.
Karriereknick oder Markenkern – welche Folgen bringt das öffentliche Bekenntnis mit sich?
Ein Bekenntnis zum Cannabiskonsum kann vieles auslösen, sei es ein Shitstorm, Applaus oder gleich ein Geschäftsmodell. Seth Rogen hat das Prinzip verstanden. Sein offener Umgang mit dem Thema hat ihm nicht geschadet. Ganz im Gegenteil. Seine Firma Houseplant verkauft Cannabisprodukte in stylischer Verpackung und kommt an wie ein Designlabel.
Elon Musk sorgte hingegen für Staunen, als er im Podcast mit Joe Rogan einen Joint rauchte. Live und ungeschnitten. Die Szene ging viral, Tesla-Aktien sackten kurzfristig ab, sein Ruf als exzentrischer Visionär wurde aber eher bestätigt als beschädigt. Es war ein PR-Stunt mit Nachgeschmack, aber auch mit Nachhall.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Gesellschaft sensibler geworden ist, aber auch entspannter. Während früher ein Foto mit Joint das Karriereende bedeuten konnte, ist es heute oft nur noch ein kleiner Aufreger in der Kommentarspalte.
Die Grenze zwischen Coolness und Kritik verläuft allerdings nicht überall gleich. Konservative Branchen oder Zielgruppen reagieren nach wie vor unnötigerweise empfindlich und wirken sehr rückwärtsgewandt.